Digitales Lernen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement – Blended Learning als Erfolgsfaktor

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ermöglicht zunehmend ein zeit- und ortsflexibleres Arbeiten. Es zeigt sich, dass die Zusammenarbeit auf Distanz und in dezentralen Teams dauerhaft und in einem größeren Ausmaß gelingen kann. Für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) bedeutet diese Veränderung, dass Maßnahmen künftig auch digital funktionieren müssen, um Beschäftigte im Home-Office gleichermaßen zu erreichen. Digitale Gesundheitsförderung im Betrieb kann dabei vielfältige Formen annehmen: web-based Trainings, Erklärfilme à la YouTube, Blended Learning oder mobile Anwendungen (Apps).

Studien zu digitalen Lernmöglichkeiten schreiben Blended Learning-Konzepten in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung zu. Beim Blended Learning wird die digitale Wissensvermittlung mit Präsenzworkshops verknüpft. Oft werden die digitalen Inhalte dabei nach dem Konzept des Mikrolernens als kleine Lernhäppchen angeboten. So sind sie im beruflichen Alltag kurzfristig und flexibel nutzbar. Gelernt wird dann, wenn es gerade passt.

Auf Basis dieser Trends treibt die AOK Niedersachsen mit dem Projekt „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ die Entwicklung digitaler Maßnahmen im BGM voran und erprobt diese. Das digitale Angebot der AOK wächst fortlaufend. Es umfasst unter anderem Kurzvideos zum ergonomischen Verhalten am Schreibtisch oder im Pflegeberuf sowie E-Learning-Kurse für Führungskräfte und BGM-Verantwortliche.

Die Kombination aus digitaler Wissensvermittlung und Präsenzterminen ist für Lernende hoch relevant. Dies bestätigte auch eine Befragung der AOK Niedersachsen unter den Beschäftigten der am Projekt beteiligten Unternehmen. Entsprechend dieser Ergebnisse und der Studienlage hat die AOK Niedersachsen das Online-Programm „Gesund führen“ mit einem Blended Learning-Ansatz versehen und in der Praxis erprobt.

Das „Kombi-Angebot“ verbindet das Online-Programm mit Präsenzterminen. Diese finden vor, während und nach den Online-Modulen statt. Die Präsenzphasen dienen der Reflexion, wie sich konkrete Strategien gesunder Führung in der Praxis umsetzen lassen. Sie bereiten die Teilnehmenden auf das Online-Programm vor, sichern während der Selbstlernphasen den Austausch unter den Führungskräften und schließen das Programm ab. Eigene Erfahrungen und Anregungen können vor dem Hintergrund des individuellen Arbeitsalltags reflektiert und in den betriebsindividuellen Kontext gebracht werden. Dies unterstützt die Teilnehmenden, Gelerntes zu festigen.

Evaluationsergebnisse
Das Kombi-Angebot „Gesund führen“ wurde in vier Unternehmen mit insgesamt 77 Führungskräften erprobt. Nach Programmabschluss erfolgte eine standardisierte Online-Befragung. Dabei konnten die Teilnehmenden ihre Zufriedenheit mit den Elementen des Kombi-Angebots sowie die Weiterempfehlungsbereitschaft bewerten und Einschätzungen zu Veränderungen des Führungsverhaltens treffen.

Sowohl durch die praktische Arbeit mit den Führungskräften in den Präsenzterminen als auch durch die Ergebnisse aus der Online-Befragung wird eine hohe Gesamtzufriedenheit der Teilnehmenden mit dem Angebot deutlich. Die Weiterempfehlungsbereitschaft für das Kombi-Angebot „Gesund führen“ liegt bei 98 Prozent.

Auch die onlinebasierte Wissensvermittlung wurde von den Teilnehmenden mit 95 Prozent positiv bewertet. Folgende Aspekte hoben die Teilnehmenden dabei besonders hervor:

„Am Online-Programm „Gesund führen“ hat mir besonders gut gefallen …“

  • die Zeit- und Ortsflexibilität die technische Aufbereitung: zum Beispiel die Erinnerungsfunktion, die „Herausforderungen der Woche“ und die Speicherfunktion von Dokumenten
  • die Medienvielfalt
  • die Zeitdauer der Module
  • die einfache Handhabung und flexible Einteilung der Module
  • die Auffrischung und bewusste Anwendung der Inhalte

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich mehr als die Hälfte der Führungskräfte nach Abschluss des Blended-Learning-Angebots sicherer im gesundheitsgerechten Führen fühlt und das eigene Führungsverhalten stärker reflektiert. 92 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, dass sie sich weiterhin einen regelmäßigen Austausch unter Führungskräften wünschen.  

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass digitale Angebote im BGM gewünscht sind und in der richtigen Form einen Mehrwert bieten können. Die Erprobung des Kombi-Angebots „Gesund führen“ verdeutlicht erfolgreich, welche Vorteile Blended Learning bietet. Dabei spielt die Verknüpfung von zeitlich und räumlich flexiblem digitalen Lernen mit Präsenzterminen zum Austausch und zur gemeinsamen Reflexion eine entscheidende Rolle.

 

* Zur Vereinfachung wird hier keine Differenzierung zwischen verschiedenen Arten der Heimarbeit gemacht und der Begriff „Home-Office“ genutzt.

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Weiterführende Literatur

mmb Institut (2018). mmb-Trendmonitor. Weiterbildung und digitales Lernen heute und in drei Jahren. Erklärfilme als Umsatzbringer der Stunde. Ergebnisse der 12. Trendstudie „mmb Learning Delphi“. mmb Institut, Essen.

Sauter, S./ Sauter, W. (2004). Blended Learning. Effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining. Luchterhand, Neuwied.

Thalheimer, W. (2017). Does eLearning work? What the Scientific Research Says! www.worklearning.com/wp-content/uploads/2017/10/Does-eLearning-Work-Full-Research-Report-FINAL2.pdf.